Az. ZK-2029/0090 Betreff: Demokratie, Abwicklung der Zugang: 30.09.2029

DANIEL FÜRG  ·  ROMAN

ZUR
KENNTNIS

Deutschland, 30. September 2029. Eine Partei gewinnt die Wahl mit 34,7 Prozent. Was dann geschieht, ändert kein einziges Gesetz.
Das ist das Problem.

VORBEMERKUNG

„Der freiheitliche, säkularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann.“— Ernst-Wolfgang Böckenförde, 1976 · dem Roman vorangestellt

Der Vorgang.

Laufzeit: 90 Tage · Wiedervorlage: entfällt

Kein Putsch. Keine Panzer. Nur Umlaufmappen, Dienstwege und eine Kanzlerin, die nicht vorhat, ein einziges Gesetz zu brechen, und die glaubt, sie müsse es nicht. Der Roman erzählt die ersten 90 Tage, gerahmt von den Protokollen eines Untersuchungsausschusses, der erst später fragt, was alle hätten sehen können.

TAG 1 / 90 · 30. SEPT.

Die Wahlnacht

Um 18:00 Uhr werden die Bildschirme blau, dann kommen die Balken: 33,8 für die Deutsche Erneuerung. Martina Vogler hat für diesen Abend nichts vorbereitet. Ihr Statement ist ein einziger Satz — und der hat Zeit bis Montag.

TAG 41 / 90 · 9. NOV.

Elf Minuten in Bellevue

318 Stimmen. Vogler nimmt die Wahl an, spricht den Eid ohne Stolperstellen und dankt dem Bundespräsidenten für einen Satz, den das Protokoll nicht vorsah. Sie hat nicht vor, ein Gesetz zu brechen. Das ist keine Beruhigungsformel — es ist der Arbeitsplan.

DAZWISCHEN

Verfahren ruhen. Menschen warten.

Eine Verwaltungsvorschrift stellt Einbürgerungen „ruhend“. Ein Beamter remonstriert — form- und fristgerecht, aktenkundig, folgenlos. Derselbe Beamte beginnt, ein Verzeichnis zu führen. Alles hat ein Aktenzeichen. Nichts hat einen Täter.

TAG 90 / 90 · 28. DEZ.

„Wie stimmt das Saarland?“

Sondersitzung des Bundesrates, ein einziger Tagesordnungspunkt, draußen zehntausend Menschen mit Kerzen, vollkommen still. Drinnen entscheidet eine Formel, die es wirklich gibt — und eine Stimme, die nicht die des Landes ist.

Schwärzungen gem. § 11 BArchG — zur Einsichtnahme berühren.

Die Demokratie wird nicht gestürzt.
Sie wird abgezeichnet.

Aktenlage.

Das Beunruhigende an diesem Roman ist, wie wenig erfunden werden musste. Ein Anhang legt jede Norm offen.

ERFUNDEN IST

  • Die Partei Deutsche Erneuerung und sämtliche handelnden Personen
  • Die vorgezogene Bundestagswahl vom 30. September 2029
  • Die Verwaltungsvorschrift VV StAG 1/30
  • Die Bundesratssitzung vom 28. Dezember 2029

ERFUNDEN IST NICHT

  • Art. 37 GG — der Bundeszwang: seit 1949 nie angewendet
  • § 35 BVerfGG — das Gericht bestimmt, wer vollstreckt: ein Gericht ohne Vollstrecker
  • Art. 51 Abs. 3 S. 2 GG — die einheitliche Stimmabgabe im Bundesrat, an der am Tag 90 alles hängt
  • Der 22. März 2002 — die uneinheitliche Stimme Brandenburgs. „Damals gab es hinterher ein Gericht.“
  • § 63 BBG — die Remonstration: ein Protokoll, das das Gewissen aktenkundig macht und die Maschine weiterlaufen lässt
  • § 10 StAG, §§ 5 und 8 BArchG, Art. 44 GG — der Anspruch, das Verzeichnis, der Ausschuss
Daniel Fürg, Porträt
Anlage 2 — Lichtbild d. Verfassers

DER AUTOR

Daniel Fürg

Daniel Fürg lebt und arbeitet in München. Er ist Gründer von 48forward und beschäftigt sich seit Jahren mit der Frage, wie Institutionen funktionieren — und woran sie scheitern. Zur Kenntnis ist sein Roman über den Moment, in dem Recht und Vollzug auseinanderfallen.

Er hat ihn nicht geschrieben, um zu warnen. Er hat ihn geschrieben, weil die Akte sonst niemand liest.

Buchcover: Zur Kenntnis, Roman von Daniel Fürg

VERFÜGUNG: BESCHAFFEN

Nehmen Sie es nicht nur zur Kenntnis.

Erhältlich überall, wo es Bücher gibt — und direkt beim Verlag.

Roman
36 Kapitel · 228 Seiten
Hardcover
24. September 2026 · 48forward
E-Book
8. Oktober 2026
ISBN
978-3-567-00268-7 (Hardcover)
978-3-567-00269-4 (E-Book)