Kein Putsch. Keine Panzer. Nur Umlaufmappen, Dienstwege und eine Kanzlerin, die nicht vorhat, ein einziges Gesetz zu brechen, und die glaubt, sie müsse es nicht. Der Roman erzählt die ersten 90 Tage, gerahmt von den Protokollen eines Untersuchungsausschusses, der erst später fragt, was alle hätten sehen können.
TAG 1 / 90 · 30. SEPT.
Die Wahlnacht
Um 18:00 Uhr werden die Bildschirme blau, dann kommen die Balken: 33,8 für die Deutsche Erneuerung. Martina Vogler hat für diesen Abend nichts vorbereitet. Ihr Statement ist ein einziger Satz — und der hat Zeit bis Montag.
TAG 41 / 90 · 9. NOV.
Elf Minuten in Bellevue
318 Stimmen. Vogler nimmt die Wahl an, spricht den Eid ohne Stolperstellen und dankt dem Bundespräsidenten für einen Satz, den das Protokoll nicht vorsah. Sie hat nicht vor, ein Gesetz zu brechen. Das ist keine Beruhigungsformel — es ist der Arbeitsplan.
35 Stimmen. Wie viele Gewissen?
DAZWISCHEN
Verfahren ruhen. Menschen warten.
Eine Verwaltungsvorschrift stellt Einbürgerungen „ruhend“. Ein Beamter remonstriert — form- und fristgerecht, aktenkundig, folgenlos. Derselbe Beamte beginnt, ein Verzeichnis zu führen. Alles hat ein Aktenzeichen. Nichts hat einen Täter.
TAG 90 / 90 · 28. DEZ.
„Wie stimmt das Saarland?“
Sondersitzung des Bundesrates, ein einziger Tagesordnungspunkt, draußen zehntausend Menschen mit Kerzen, vollkommen still. Drinnen entscheidet eine Formel, die es wirklich gibt — und eine Stimme, die nicht die des Landes ist.
Schwärzungen gem. § 11 BArchG — zur Einsichtnahme berühren.